Schaut hin, ein Wunder!

Hallo Gemeinde! Das Corona-Virus breitet sich weltweit aus. Viele Menschen haben nun Angst, vor allem diejenigen, die zur sog. Risikogruppe zählen – und diese Angst ist nicht unbegründet. Zwar verläuft die Infektion für viele Menschen harmlos. Manche brauchen aber intensive medizinische Versorgung. Einige sterben auch. Würde sich das Virus ungehindert ausbreiten, bräuchten bald mehr Menschen medizinische Hilfe, als von den Kliniken versorgt werden könnten. So müssten Menschen sterben, die unter anderen Umständen gerettet werden könnten.
Um das zu verhindern, haben wir in Deutschland das gesamte öffentliche Leben lahmgelegt. Geschäfte sind geschlossen, Veranstaltungen fallen aus, Menschen bleiben daheim. Diese Maßnahmen verlangen uns viel ab und werden einen großen wirtschaftlichen Schaden anrichten. Genau darum sind sie nicht selbstverständlich. Dass wir als Gesellschaft jetzt zusammenstehen, ist richtig, aber nicht selbstverständlich.
Wir erleben den größten Zusammenhalt in unserer Gesellschaft seit Jahrzehnten: Die Starken verzichten für die Schwachen, die Jungen für die Alten. Jeder hat Verständnis und wer helfen kann, hilft. Vor unser aller Augen hat Gott mitten unter uns etwas von dem verwirklich, was er durch den Propheten Jesaja verheißen hat. Wir erleben ein Wunder. Schaut hin!

Predigt über Jesaja 66,10−14 vom 22. März 2020 in der St.-Laurentius-Kirche in Wonsees.

Die Deutehoheit Gottes

Hallo Gemeinde! Gott fordert die uneingeschränkte Deutehoheit über unser Leben. Im Predigttext stellt Jesus klar, dass nichts höhere Priorität hat, als ihm nachzufolgen. Nicht einmal den eigenen Vater zu beerdigen ist wichtiger. Gottes Anspruch ist radikal und er kennt keinen Verhandlungsspielraum. Sein Anspruch bezieht sich aber nicht nur auf das, was wir tun sollen, sondern auch daruf, wer wir sind. Er sagt uns Christen, was wir sind: Seine geliebten Kinder, erlöst durch Christus, denen er in allem beisteht, was das Leben bereithält und denen er am Ende das ewige leben schenken wird. Auch hier kennt Gott keinen Verhandlungsspielraum. Gott sei Dank!

Predigt über Lukas 9,57-62 vom 15. März 2020 in der St.-Laurentius-Kirche in Wonsees.

Schuld ist egal

Hallo Gemeinde! Schuld ist ein Dauerthema in unserer Gesellschaft. »Wer hat Schuld und wie viel? Hätte man den Karneval in Heinsberg absagen müssen und wer wäre zuständig gewesen?« Hat man dann einen ausgemacht, der tatsächlich oder vermeintlich Schuld hat, distanziert man sich von ihm. Selbst Straßen und Plätze werden umbenannt, wenn jemand feststellt, dass der Namensträger im Laufe seines Lebens Schuld auf sich geladen hat.
Für Christ*Innen ist Schuld egal. Jesus Christus hat sie erlöst. Das heißt weder, dass sie schuldlos sind, noch dass sie sich nicht bemühen sollen, gute Menschen zu sein. Es heißt ganz einfach, dass ihr Christsein nicht davon abhängt, ob sie Schuld auf sich geladen haben oder nicht.
Damit sind die Christ*Innen frei – frei, differenziert mit Schuld umzugehen, frei, eigene Schuld anzunehmen, frei, sich Verantwortung zu stellen, frei, Fehler zu riskieren.
Vor allem sind die Christ*Innen befreit davon, sich selber rechtfertigen zu müssen. Die Menschen meinen, man müsste den Christen an seinem perfekten Leben erkennen. Kein Mensch ist perfekt und schuldlos – auch der frömmste Christ nicht. Woran man dann den Christen erkennt? Daran, dass er Gott lobt!

Predigt über Römer 5,1−11 vom 8. März 2020 in der St.-Laurentius-Kirche in Wonsees.